18. Tag, Landmannalaugar - Landmannahellir

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Sonntag, 28. Juli 2003


Bis nach 7:00 Uhr ausgeschlafen. Heute steht nicht viel auf dem Programm. Nur die 17 Kilometer nach Landmannahellir. Es ist föhnig, windig und eine grelle Sonne steigt über die Wolken. Um 9:15 Uhr Aufbruch mit wieder voll beladenem Rucksack. Wunder mich jedesmal, was sich da alles drin verstauen läßt.

Lö­mundarvatn
Am Námshraun nehme ich, kurzentschlossen einer Pfadspur folgend, den direkten Weg über den steilen Berg. Oben auf dem Grat quert man den Lavastrom nach Westen und steigt dann zum Frosta­avatn ab. Zu weiteren Erkundungen aufgelegt bleibe ich nur kurz am südwestlichen Seeufer und halte mich nach Nordwesten. Gehe durch ein schluchtartiges Tälchen zwischen dem Westrand eines Teilstromes des Dómadalshraun und dem Berghang. Die jetzt im Sommer trockene Schlucht ist zwar etwas anstrengend zu gehen, aber hübsch und abwechslungsreich. Ab und zu müssen große Blöcke überklettert werden. Der Weg ist ganz nach meinem Geschmack. Ich fühle mich frisch und ausgeruht und auch der schwere Rucksack stört mich nicht. Früher als gedacht treffe ich auf die Landmannalei­ Piste F225. Habe gegenüber der regulären Piste, nördlich um den Frosta­avatn herum, mindestens drei Kilometer abgekürzt. Zeitlich werde ich nicht besonders viel gewonnen haben, aber sicher war es der schönere Weg!

Helliskvísl
Von Zeit zu Zeit überholen oder begegnen mir nun Autos und Busse. Die Reaktionen der Busfahrgäste finde ich immer wieder amüsant. Irgendwie scheint die meisten der Anblick eines Wanderers im Hochland erst zu verwirren, dann winken sie kurz und sind schon wieder weiter. Selbst bei Dreckswetter habe ich Auto- oder Busfahrer nie beneidet. Was nützt es einem, daß man sich in der in einer der weitesten und schönsten Landschaften der Erde befindet, wenn man in einer Konservendose eingeschlossen ist? Trotz Sonne weht ein unangenehm kalter und starker Westwind. Nach der Querung des Dómadalurs flätze ich mich im Windschutz des Hanges am Dómadalháls ins Heidekraut. Hier ist es gemütlich warm und ich halte Mittagspause. Aus der Ferne kann ich beobachten wie zwei Busse auf dem Weg nach Landmanlaugar im Dómadalshraun versuchen an ein paar Geländewagen vorbeizukommen. Sie brauchen fast 20 Minuten dafür. Nach dem kurzen Anstieg zum Dómadalsháls folge ich dem am östlichen Talrand verlaufenden Reitweg und spare mir eine zusätzliche Ecke der Piste auszulaufen. Die Furt am Lö­mundarvatn ist harmlos und ich brauche nicht einmal die Stiefel auszuziehen. Komme um 14:30 Uhr bei Landmannahellir an.

Landmannahellir
Ein "Info"-Häuschen, 2 Hütten im Sommerhausstil, eine alte Kofi als Windschutz für Zeltgäste und ein großes Stallgebäude. In einiger Entfernung noch 2 weitere Hütten. Fast eine kleine Ansiedlung hier. Natürlich die etwa 5 -7 Meter tiefe Höhle Landmannhellir selbst, die dem Ort den Namen gab, nicht zu vergessen. Nachdem es vorher schon einige leichte Schauer gegeben hat schlage schnell mein Zelt auf der hektargroßen Wiese auf. Zum Mittagsschläfchen prasselt es ganz ordentlich auf das Zelt. Gegen Abend scheint wieder die Sonne und ich mache eine Spaziergang auf den Hellisfjall hinter der Hütte. Muß an die Übernachtung in der Landmannahellir von Rebecca Langhagen und Christian Rohrbach denken, wie sie diese in ihren Buch "Junges Land" lebhaft beschrieben haben. Die beiden waren in einem September in Gegenrichtung zu meiner Tour unterwegs und hatten mit widrigem Wetter zu kämpfen.

Abendwolke
Ziemlich spät kommt noch ein Gruppe von Hauser Exkursionen per Bus an. Mit viel Trara werden die Zelte aufgebaut - offensichtlich heute zum ersten Mal. Das Kochen der Gruppe gerät zum Staatsakt und bedarf lautstarker Organistation. Nachdem ich mir lange genug die Zeit mit Wetterbeobachtungen vertrieben habe ziehe ich mich in den Schlafsack zurück. Bei dem Lärm meiner lieben Nachbarn ist ist trotz Lärmstopp kein Schlaf zu finden - mein déjá-vu-Alptraum. Nachdem um 23:00 Uhr immer noch wie auf dem Wochenmarkt das letzte Stück "... mog no wer an Fiiiiiiisch?" angepriesen wird, wird auch mein Grant übermächtig und ich mache meine lieben Nachbarn ebenso lautstark darauf aufmerksam, daß sie nicht ganz allein auf dem Zeltplatz sind. War wohl wieder mal nicht allzu höflich. Ich weiß, ich weiß - sowas passiert mir doch jedes Jahr wieder.


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